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Ein Hund aus dem Tierheim

Im August 2005 kam Astor zu mir. Damals arbeitete ich im Tierheim Knittelfeld und hab mich sofort in Astor verknallt. Ich wusste nicht, dass er ein CC ist, er wurde als Boxer-Mischling geführt. Das er ein CC ist, kam erst viel später heraus. Durch den Einsatz von Susi bekam ich Astor nach langem Bangen, es sei dazugesagt, dass ich damals erst 20 Jahre alt war und mir dieser Hund nicht zugetraut wurde.
 
Anfangs war es ein harter Kampf mit ihm. Er war aggressiv gegenüber Männern und stieg förmlich in die Leine, sobald ihm einer zu Nahe kam. Er war sehr futterneidig und ich musste vorerst Chicco und ihn bei der Fütterung trennen. Dann lief er gerne davon, wodurch ich ihn anfangs nur noch an der Leine führen konnte. Für mich war das damals eine sehr schwere Zeit, immer im Gedanken daran, dass ich es vielleicht nicht schaffen würde, diesem Hund gerecht zu werden. Aber ich gab nicht auf, ich suchte Rat in Büchern, im Internet - speziell in Foren, bei Bekannten, bei Hundetrainern und schließlich fand ich mehrere Möglichkeiten, Astor die Angst und Aggressivität zu nehmen.
 
Wir fingen an mit Clicker-Training, Schleppleinen-Training und bei der Fütterung rückte ich einfach Chicco immer näher an ihn, natürlich immer unter Aufsicht.
 
Das Clicker-Training war insofern nicht schlecht, weil ich ihn genau da bestätigen konnte, wenn er ruhig bei einem Mann vorbeiging, auch wenn ich momentan kein Leckerli bei der Hand hatte.
 
Das Schleppleinen-Training nützte ich gegen sein „davon laufen“. Er konzentrierte sich mehr auf mich und eines Tages konnte ich ihn wieder frei laufen lassen.
 
Doch den absoluten Durchbruch erzielte ich mit Rilli. Klingt blöd, ist aber so. Nicht nur, dass ich mich in ihn verliebte, sondern auch Astor. Ich werde nie die erste Begegnung vergessen: Rilli kam bei der Türe rein, bis dato kannte er ja nur Chicco, Astor sah ihn und wich ihm knurrend nicht mehr von der Seite. Rilli, der nicht wirklich der grosse Hundekenner war, verhielt sich in dieser Situation genau richtig und ignorierte Astor wo es nur ging. Das machte Astor stutzig: „Will der mir jetzt etwa nichts tun?“ Und das war der Moment, wo´s „Klick“ in Astor´s Brummschädel machte und nach und nach begann eine Freundschaft zwischen ihm und Rilli zu wachsen, die bis heute ununterbrochen ist. Dadurch verschwand auch die Aggressivität gegenüber Männern. Nicht von jetzt auf gleich, aber mit der Zeit lernte Astor, die Männer nicht mehr anzugehen, sondern bei „Gefallen“ schwanzwedelnd zu begrüßen oder bei „Nicht-Gefallen“ zu ignorieren.
 
Heute sind Astor und Chicco wie zwei Brüder im Geiste, die sich nichts schenken, aber auch nichts über den anderen kommen lassen würden. Meine Mutter sagt immer: „Der kleine Chicco ist der Stänkerer und der grosse Astor beschützt ihn dann!“ Ich bin froh, die zwei Racker zu haben und würde sie für nichts auf der Welt wieder hergeben.

 

Der Bericht wurde im Jahr 2008 von mir geschrieben. Astor verließ uns im September 2009.

 


 

 

Ein paar Tipps für Hunde aus dem Tierheim

  • Es kann Probleme in der Eingewöhnungszeit bei erwachsenen Tieren geben. Erwarten Sie also nicht vom ersten Tag an überschwängliche Dankbarkeit. Der Hund weiß ja noch nicht, dass Sie ihm den Hundehimmel auf Erden schenken wollen.

 

  • Überfordern Sie den Hund nicht. Er hat ohne dies Stress, den erneuten Platzwechsel zu verarbeiten. Vermeiden Sie Situationen, in denen das Tier sich bedrängt fühlen könnte. Gewöhnen Sie ihn langsam an sein neues Lebensumfeld. Geben Sie ihm viel, viel Zeit!
  • Machen Sie nicht den Fehler, dem Hund alles zu erlauben, weil er „ja so arm gewesen ist". Konsequenz und Leitlinien geben einem Hund die Sicherheit, die er für ein normales Hundeleben braucht. Suchen Sie einen guten Hundetrainer auf, nehmen Sie Hilfe an.
  • Überlegen Sie gut, ob Sie wirklich einen Hund aus dem Tierheim holen möchten. Sind Sie unsicher? Überschlafen Sie die anstehende Entscheidung noch einmal. In vielen Tierheimen besteht die Möglichkeit, ein Tier über einen längeren Zeitraum erst kennen zu lernen. Ausprobieren, ob es „funktioniert", ist unfair und schadet dem Hund nur. Eine Vergabe auf Probe kann deshalb nur in Ausnahmefällen gutgeheißen werden.
  • In den Tierheimen wird meistens eine Schutzgebühr eingehoben. Die Schutzgebühr wird je nach Tierheim berechnet. Meist zwischen € 120 - € 300.  Manchen Menschen erscheint dies eine zu hohe Summe, denn sie wollen ja ein Tier „retten“. Natürlich ist man um jedes Tier dankbar, dass ein neues Zuhause findet, jedoch sollte man auch beachten, was Tierheime für Arbeit leisten und welche Kosten dahinter stecken.
  • Sollten Sie sich für einen Hund aus dem Tierheim interessieren, bitte beachten Sie die Öffnungszeiten, denn jeder Besuch bedeutet für die Tiere erheblichen Stress.